Didakt-o-Maten, Thesenpapiere und Digital Literacy: Rückblick zur HFDcon 2019

Anfang dieser Woche, am 21. Oktober, fand in Bonn das bereits dritte Netzwerktreffen des „Netzwerks für die Hochschullehre„, initiiert vom Hochschulforum Digitalisierung (HFD) statt. Eingeladen hatte das HFD ins World Conference Center in Bonn, das ehemalige Plenargebäude. Der Auftakt fand dementsprechend auch im Rund des ehemaligen Sitzungssaals des Bundestags statt, wobei gleich ein entscheidender Vorteil zum klassischen Uni-Hörsaal deutlich wurde: Es waren (wenn auch etwas versteckt hinter den Sitzen) genug funktionierende Steckdosen für alle da!

Nach der Begrüßung stellten die #DigitalChangemakers sich und ihre Arbeit vor, ein vom HFD gefördertes, studentisches Team, welches Ideen zur Digitalisierung der Hochschulen aus studentischer Perspektive entwickelt und dazu auch ein Thesenpapier veröffentlicht hat. Von der dazu vorgestellten Studie mit diesbezüglichen Wünschen der Studierenden fand ich vor allem interessant, dass sich Studierende immer noch eine große, zentrale Plattformlösung als Begleit-Infrastruktur für das Studium wünschen. Die Idee der Personal Learning Environment (PLE), die eher offene Software sowie untereinander kompatible und individuell kombinierbare Lösungen braucht, scheint in den Überlegungen und Wünschen der Studierenden keine besondere Rolle zu spielen.

Aus der Vielzahl der angebotenen Workshops (Programm) konnte ich zwei besuchen. Im ersten Workshop „Didaktische Vielfalt für innovative E-Learning-Angebote“ wurde eine an der HS Koblenz entwickelte Web-App vorgestellt, die Lehrende bei der Auswahl geeigneter Methoden und digitaler Medien helfen soll – eine Art Didakt-o-mat für die mediendidaktische Beratung. Die Idee, Lehrende bei der Lehrveranstaltungsplanung durch Empfehlungen von Methoden und digitalen Werkzeugen zu unterstützen, ist an sich sehr löblich, auch in unserer Beratungs- und Fortbildungsarbeit wird dieser Wunsch immer wieder an uns herangetragen. Allerdings suggeriert eine solche App m.E. durch ihre Einfachheit und die prompte Lieferung von Ergebnissen eine didaktische Eindeutigkeit, die es in der praktischen (Lehr-)Realität so natürlich nicht gibt.

Im zweiten Workshop diskutierten wir die Arbeitsergebnisse der Ad-hoc-AG „Hochschulbildung für das digitale Zeitalter im europäischen Kontext“. In ihrer Arbeit hatte sich die Gruppe in den vergangenen Monaten mit der Frage befasst, wie ein europäisches, gemeinsames Verständnis von „akademischer Bildung“ aussehen könnte, welche unterschiedlichen Blickwinkel und Sichtweisen es dazu in den europäischen Hochschulkulturen und -systemen gibt und welche Chancen sich in diesem Zusammenhang aus internationalen Bildungskooperationen ergeben. Moderiert von Markus Deimann gingen wir im Workshop verschiedenen Fragen nach, z.B.

  • „Was macht „gute“ (Hochschul-)Lehre im digitalen Zeitalter aus?“,
  • „Wie stehen Digitalisierung und Bildung im Hinblick auf ein klassisches Bildungsverständnis zueinander?“ oder
  • „Wie können die verschiedenen beteiligten Akteure (aus Hochschule, Wirtschaft etc.) in einen gemeinsamen Austausch kommen?“

Eine Möglichkeit des Austauschs könnten gemeinsame (Fortbildungs-)Formate und Veranstaltungen sein, wie es z.B. beim eLearning-Zertifikat der Goethe-Universität Frankfurt seit Jahren praktiziert wird. Hier nehmen an den Veranstaltungen neben Hochschullehrenden auch Lehrkräfte aus Regelschulen sowie auch aus der Wirtschaft (PE, innerbetriebliche Weiterbildung etc.) teil. Dieses gemeinsame Lernen und Arbeiten wird von den Teilnehmenden als sehr wertvoll empfunden und kann dazu beitragen, ein gemeinsames Verständnis von Bildung im digitalen Zeitalter zu entwickeln.

Leider konnte ich nicht bis zum Ende der HFDcon dabei sein, so verpasste ich zu meinem großen Bedauern das Barcamp mit der sehr interessanten Session von Markus Deimann zu einem „Basis-Curriculum Medienkompetenz / Digital Literacy an Hochschulen“ (die allerdings auch ohne mich mehr als genug Teilgebende hatte ;). Die Teilgebenden erarbeiteten in Gruppen erste Ansätze, welche inhaltlichen Bausteine ein solches Basis-Curriculum haben sollte und wie eine organisatorische sowie methodisch-didaktische Implementierung gelingen könnte. Ein sehr spannendes Thema, das mich im Rahmen meiner Dissertation ja ebenfalls (aus Sicht der Lehrenden) beschäftigt, und bei dem ich – dem Aufruf von Markus folgend – gerne Ideen einbringe.

 Creative Commons Lizenzvertrag
Der Beitrag „Didakt-o-Maten, Thesenpapiere und Digital Literacy: Rückblick zur HFDcon 2019“ von Michael Eichhorn ist lizenziert unter einer Creative Commons Namensnennung – Weitergabe unter gleichen Bedingungen 4.0 International Lizenz.

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